"Voll Gas"- streckt auch den Rücken !

Luftbläschen an Erbsenstange unter Wasser



Unsere Atmung ist  mit einem unbehinderten Voll - Gasaustausch von verbrauchter Luft ( Kohlendioxid) und dem Sauerstoff der eingeatmeten  Luft die Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.

Schließlich ist wohl auch jeglicher Organismus aus Wasserstoff- und Sauerstoffmolekülen unter Lichteinfluß entstanden.

Wir Menschen atmen meistens völlig unbewusst und das durchschnittlich 13 bis 16 mal pro Minute. Somit kommt täglich eine gewaltige Menge Luft in unsere Lungen ca.14000-16000 Liter beim Erwachsenen. Das Atemvolumen ist von vielen Faktoren abhängig.

Allein die aufrechte Körperhaltung mit Streckung der Wirbelsäule ermöglicht im aufrechten Gang eine deutlich verbesserte Luftaufnahme und Vitalkapazität. Somit kommt gerade der Kinderorthopädie eine große Bedeutung im Hinblick auf die lebenslange  Lungenfunktion zu.

Unsere Atmung wird über den starken Atemreflex gesteuert. Die oberen Luftwege, vor allem die Nase reinigt und erwärmt die Luft bis sie über die Lunge in die über 100 Millionen Lungenbläschen gelangt. Dort kommt es zum Gasaustausch zwischen sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut. Die roten Blutkörperchen werden mit Sauerstoff beladen und transportieren diesen an die entlegensten Stellen im Körper. Jede einzelne Zelle bedarf immer einer optimalen Sauerstoffmenge um voll funktionsfähig zu sein.
Die Atmung beeinflusst unsere Gesundheit so massiv, dass allein in diesem Funktionskreis durch Störungen unzählige Krankheiten begründet sind.

Die Sauerstoffversorgung unseres Körpers wird sehr von unserer Körperhaltung und unseren Aktivitäten, aber auch Emotionen beeinflusst. Moderates Bewegungstraining sollte im sauerstoffreichen Bereich erfolgen. Zu intensives Training kann uns in ein Sauerstoffdefizit bringen und den menschlichen Organismus übersäuern. Für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen können somit schnell kritische Situationen erreicht werden.

Atmung beim Gehen:

So kann alleine schon der aufrechte Gang bei einem längeren Spaziergang über mehrere hundert Liter Luftaufnahme entscheiden (siehe meinen Beitrag Walking-Management für einen gesunden Rücken vom 30.8.2019). Die meisten Menschen atmen zu flach. Atmung ist trainierbar. Der Bauchraum bietet zusätzlich Platz, unsere Atmung tiefer und ruhiger zu gestalten.Versuchen Sie mal etwas länger über den Mund  auszuatmen als über die Nase  einzuatmen. Das Zwerchfell zwischen Thorax und Bauchraum ist der wesentliche Atemmuskel. Die meisten Menschen aktivieren diesen Muskel  zu wenig.


Atmung beim Sport:

In der Anspannung z.Bsp. Kraftsport die Luft nicht anhalten.
Besser: Einatmen in der Entspannung – Ausatmen in der Anspannung. Das reduziert eventuell übermäßige Druckverhältnisse im Thorax, Herz und Kreislaufsystem.

Die Ausatmungsphase ist von enormer Bedeutung. Beim Ausatmen findet keine aktive Muskelanspannung statt. Das Zwerchfell kann sich entspannen und kehrt in Richtung Brustraum zurück. Dadurch werden die Lungenflügel zusammengezogen und transportieren durch den entstehenden Druck die verbrauchte Luft (und damit das CO2 ) nach aussen .

Atmung beim Radfahren:
Auch hier gilt, besser aufrecht als zu sehr nach vorne geneigt!

Die Möglichkeit der Sauerstoffaufnahme ist deutlich besser. Die Haltung der Arme und Schultern und vor allem die nicht nach hinten abgeknickte Halswirbelsäule ermöglichen  eine wesentlich verbesserte Sensomotorik auf dem Rad.

Atmung im Schlaf:
Wussten Sie, dass die meisten Herzinfarkte und Schlaganfälle in der Nacht passieren ?

Aus einem wesentlichen Grund! Die Sauerstoffversorgung war dann meistens nicht optimal!
Eine schlechte Matratze, ein schlechtes Kopfkissen, chronisches HWS Syndrom, Übergewicht aber auch Schnarchen mit Apnoe (nächtliche Atmungsstörung) können unbemerkt zu einem erheblichen Sauerstoffmangel mit lebensbedrohlichen Situationen führen.

Ausblick:
Schenken Sie Ihrer Atmung mehr Aufmerksamkeit. Tun sie alles, damit Sie immer viel gute Luft bekommen. Atmen Sie mal beim nächsten Spaziergang ganz bewusst ein und aus! Fragen Sie Ihren Partner ob Sie evtl. nachts unruhig  oder mit Atempausen schlafen. Wenn Sie tagsüber oft müde sind, könnte das ein Hinweis auf eine Apnoe sein. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber!

Zum Rauchen schreibe ich nichts.....!

Ihnen zukünftig mehr Freude und Luft beim Atmen. Und das durchaus mit „Vollgas“.

Stärken Sie Ihre gesunde Lunge und machen Sie es Viren und Bakterien so schwer wie möglich!

Dr.med. Georg H. Kaupe

Facharzt für Orthopädie

Sportmedizin

BONN

 

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