Schiefstand - Orthopädie korrigiert
Beim ersten Blick der orthopädischen Untersuchung im Stehen geht es in der Regel um die Statik. Ein Beckenschiefstand erfordert eine sehr gewissenhafte Abklärung der Ursache. Leider werden viele Fälle falsch interpretiert und Schuherhöhungen unnötig verordnet. Das kann zu weiteren Problemen führen.
Der Beckenschiefstand ist entweder anatomisch oder funktionell bedingt.
Reelle Beinlängen-Differenzen sind selten. Ursachen hierfür sind:
- Wachstumsstörungen
- Muskelverletzungen
- Knochenbrüche
- Kunstgelenke
- Operationen
- Tumore
Ursachen eines funktionellen Beckenschiefstandes finden sich häufig bei:
- Verletzungen des Oberkörpers
- neurologischen Erkrankungen
- Entwicklungsstörungen
- Muskulärer Dysbalance
- Wirbelblockierungen
- Kieferfehlstellung
- Fußfehlstellung
- Lähmungen
- Skoliose
Ein unnötiger Verkürzungsausgleich im Wachstumsalter wird die Muskulatur des betroffenen Beines zunehmend verkürzen. Oftmals schließen sich deswegen weitere Schuherhöhungen an. Die somit ausgelöste Kettenreaktion kann in ausgeprägten Fällen sogar Probleme bis zum Kiefergelenk verursachen.
Was kann man tun?
Gerade bei Kindern ist die regelmäßige Kontrolle beim Orthopäden und Kieferorthopäden wichtig. Die Diagnostik von muskulären Dysbalancen und Beckenschiefständen erfolgt in meiner Praxis mit einem strahlungsfreien, lichtoptischen Vermessungssystem (siehe Bericht zur Prävention in meinen Kinder- und Jugendsprechstunden).
Liegen Dysbalancen, Fußfehlstellungen oder Gangstörungen vor, ist aus meiner Erfahrung eine intensive Krankengymnastik und sensomotorische Einlagenversorgung die Therapie der Wahl.
Ein notwendiger Verkürzungsausgleich sollte grundsätzlich langsohlig erfolgen. Eine Fersenerhöhung alleine kann weiter Probleme an der Achillessehne und den großen 4 Muskelketten verursachen. Siehe auch meinen Blog-Eintrag "Spurwechsel".
Dr. med. Georg H. Kaupe
Facharzt für Orthopädie
Bonn