"Fuß vom Gas"! - Rückenschmerzen langsam weglaufen?

"Jogging!" ist oft der erste Gedanke, wenn das schlechte Gewissen mal wieder hochkommt, dass man Sport treiben sollte. Einfach die Joggingschuhe an und raus, wann, wo und wie lang immer Mann/Frau möchte!

Ach, wie leicht und unbeschwert ist man früher einfach losgelaufen und fühlte sich danach blendend! Schließlich behaupten viele, das alte 40 sei die neue 50!
Zwar mögen wir uns zumindest im Kopf für wesentlich jünger halten, aber beim Laufen nach langer Abstinenz zeigt sich - wie bei jedem Sport - die biologische Wirklichkeit.

Nach vielleicht jahrelanger Trainingspause will der Körper langsam und behutsam an die Belastung herangeführt werden. Oft schmerzen danach ganz unerwartet die Gelenke und machen selbst die ambitioniertesten Vorsätze zunichte. Jedes "Zu schnell, Zu weit, Zu lange“ kann zu Schmerzen und Verletzungen führen. Wie oft kommen Patienten mit Rückenschmerzen nur aus diesem Grund in die Praxis !

Ganz anders sieht es aus, wenn man beim Laufen die Geschwindigkeit so weit reduziert, dass der Bewegungsapparat keine unangenehme Rückmeldung gibt. Geht das? Ja, es geht! Ich gebe zu: es ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, in einer Geschwindigkeit zu traben, bei der man evtl. von einem schnellen Walker überholt werden kann. Aber genau darum geht es beim Slow Jogging (langsames Jogging)!
Nicht „Gas geben“, sondern dem eigenen Wohlbefinden entsprechend langsam vorantraben. Keine körperlichen Leistungsgrenzen überschreiten zu wollen, sondern das persönliche Wohlfühltempo zu finden.
Außerdem werden beim Slow Jogging, wie beim Hüpfen, die Füße mit dem Mittelfuß aufgesetzt, während sie beim Walken auf der Ferse landen.

Slow Jogging einerseits und Walken andererseits sind deshalb physiologisch sehr unterschiedliche Bewegungsformen. (Lesen Sie bitte hierzu auch meinen Beitrag "Gehen Sie sich gesund!".)
Knie, Hüften und Wirbelsäule werden durch das sanftere Aufsetzen weniger belastet als beim Walken. Es bietet sich deshalb gerade für Sportler fortgeschrittenen Alters an. Wer zudem mal den einen, mal den anderen Laufstil wählt, beugt Langeweile vor und sorgt für einen wirkungsvollen und sehr angenehmen sensorischen Wechsel.
Entwickelt wurde diese spezielle Laufart von dem Sportphysiologen Prof. Dr. Hiroaki Tanaka aus Japan.

Die Fußbelastung, extrem kurze Flugphase und geringen Körperschwankungen wirken - sogar bei längeren Trainingseinheiten - außerordentlich gelenkschonend.

Deutlich minimiert wird die Gefahr der oft so schädlichen Übersäuerung. Man bleibt bei korrektem Tempo immer im aeroben (sauerstoffreichen Bereich).
Im Vergleich mit schnellem Walking oder Running stellt das Slow-Jogging eine weitaus schonendere Trainingsform mit zugleich sehr effektivem Trainingseffekt dar.

Die Krönung ist: Es kann sehr viel Spaß machen und steigert schon nach kurzer Strecke das allgemeine Wohlbefinden.
Für mich - nicht wehr so weit von Sechzig - stellt Slow Jogging eine schöne Möglichkeit dar, mich fit zuhalten und dabei an die Glücksgefühle beim Laufen von früher anzuschließen.

Noch mehr Infos und viele wertvolle Tips zum Thema Slow Jogging finden Sie auf www.slowjogging.de oder der dazugehörigen Facebookseite mit Community und regem Austausch.

Viel Spaß dabei!


Dr. med. Georg H. Kaupe

Facharzt für Orthopädie

Sportmedizin

 

Bonn

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