"Abbiegung"- Alarmzeichen der Orthopädie

Ölwechsel

Optimale Achsen, Statik, Spur- und Druckverhältnisse sind anatomisch und biomechanisch  die relevanten Parameter für einen optimal funktionierenden menschlichen Bewegungsapparat mit seinen über zweihundert Knochen und 100 Gelenken.

Kommt es, durch welche Ursachen auch immer, zu einer Veränderung dieser Parameter, können Menschen und Tiere das nur bis zu einem bestimmten Grad ausgleichen. Bei unverändertem Verhalten und fehlender Therapie folgen in der Regel Funktionseinschränkung, Schmerzen und irreversible Gelenkschädigungen.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist häufig schon bei jungen Menschen am Fuß zu beobachten. Das Großzehengrundgelenk hat als ein zentraler Hauptbelastungspunkt des menschlichen Bewegungsapparates eine enorme Bedeutung in der Orthopädie.

Unter einem Hallux valgus (Ballenzeh) leiden in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen!

Dabei handelt es sich um das seitliche  Ausscheren der Großzehe im Grundgelenk Richtung der  2. Zehe. Der erste Mittelfußknochen weicht gegenläufig zur Fußinnenseite ab. Es kommt hierdurch zur Verbreiterung des Ballen-Bereiches (Spreizfuß). Die darüber laufende Strecksehne verkürzt sich und zieht die Großzehe bei ausgeprägten Befunden sogar über die 2. Zehe. Die Gelenkflächen rutschen schräg auseinander. Ohne Therapie  ist  die zunehmende Arthrose vorprogrammiert (siehe Beitrag "Schlaglöcher" vom 07.10.2019).


Gründe hierfür sind meistens Druck auf den Vorfuß durch:

    • Übergewicht
    • enges, schlecht sitzendes Schuhwerk
    • das Tragen hoher Absätze
    • eine genetische Disposition
    • ein Spreizfuß

Das übermäßige Tragen von High Heels kann schon in jungen Jahren den Grundstein für einen ausgeprägten Ballenzeh im Verlauf des späteren Lebens mit zunehmender Gelenkdeformierung legen. Frauen sind von dieser Diagnose deutlich öfter betroffen! Hauptsächlich sind schlechte und enge Schuhe mit fehlendem Fußbett die wesentlichen Ursachen. Eine genetische Disposition spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

Eine ähnliche Erkrankung der Hand beschreibe ich  bereits in meinem Beitrag  „Sattelfest“ vom 06.11.2019.


Was kann man tun?

Gewichtsreduktion!
Gute Schuhversorgung mit Fußbettung oder Einlagen entspannen die Plantarfaszie und Strecksehne. (siehe Beitrag vom 24.09.2019)
Starre Nachtlagerungsschienen werden erfahrungsgemäß wegen des Fremdkörpergefühls nicht lange toleriert. Linderung versprechen auch Zehenspreizer aus Weichschaum oder Silikon, die im allgemeinen besser vertragen werden.
Mit Physiotherapie, Barfußgehen und Fußgymnastik können Muskulatur und Bindegewebe gestärkt werden.

Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung der Problematik und ein Vermeidungsverhalten der auslösenden Faktoren. Im fortgeschrittenen Stadium ist nach meiner Erfahrung leider nur eine Operation die zielführende Therapie. In Deutschland werden jährlich ca. 80 tausend solcher Operationen  durchgeführt.

Ausblick:

Oft sind es nur ganz pragmatische Maßnahmen, die zu einer Linderung der Beschwerden führen können.

Eine Operation  lässt sich  zumindest damit deutlich hinauszögern.

Ihr Dr. med. Georg H. Kaupe

Facharzt für Orthopädie

Bonn

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